Incredible !ndia 5

Abschied von Indien

Ahmedabad

Wer kann Indien besser beschreiben als:
Tiziano Terzani aus ‚Noch eine Runde auf dem Karussell‘:

Vielleicht, weil hier die von den Sinnen wahrgenommene Wirklichkeit nicht als die allein wahre gesehen wird – es ist nicht die Letzte Realität -, stellt sich in Indien, auch bei Leuten, die an all das nicht glauben, ein Gemütszustand gelassener Distanz ein, der dieses Land so besonders und seine zuweilen so entsetzliche Realität akzeptabel macht. Akzeptabel, weil das Leben so ist; es ist alles und das Gegenteil von allem, es ist phantastisch und grausam. Weil Leben auch Tod bedeutet, weil es keine Freude gibt ohne Schmerz und kein Glück ohne Leid. …
Nirgendwo sonst auf der Welt stehen sich die großen Gegensätze wie Schönheit und Hässlichkeit, Reichtum und Elend so dramatisch, so unverhüllt gegenüber wie in Indien. Aber es war gerade diese unabänderliche Dualität des Lebens, die die Rishis dazu anhielt, nach dem darin verborgenen Sinn zu suchen, und ihre Erkenntnis wirkt heute noch wie ein spiritueller Katalysator für alle, die sich auf das Abenteuer Indien einlassen. …
Man braucht nur einen Fuß auf indischen Boden zu setzen, um diese innerliche Veränderung zu spüren. Vor allem fühlt man sich in größerem Frieden. Mit sich selbst und der Welt. In Indien hatte ich keine homöopathischen Mittel mehr nötig, um ausgeglichen zu sein. Mein sonst labiles inneres Kaleidoskop zeigte beständig alles in einer mir angenehmen Farbe. Mein »Mittel« war alles, was mich umgab. Nichts Spezielles, aber in jedem Detail zu finden. …
»Indien ist eine Erfahrung, die dein Leben verkürzt«, hatte Dieter Ludwig, ein Fotograf, damals zu mir gesagt, als ich in Delhi eintraf, um dort definitiv meine Zelte aufzuschlagen. Und dann hinzugefügt: »Aber es ist auch eine Erfahrung, die dem Leben Sinn verleiht.« . …
Wer Indien liebt, weiß es: Man kann nicht genau sagen, warum man es liebt. Das Land ist schmutzig, arm, verseucht; zuweilen auch diebisch und verlogen, häufig stinkend, korrupt, unbarmherzig und gleichgültig. Dennoch, hat man es einmal kennen gelernt, kommt man nicht mehr ohne es aus. Weilt man in der Ferne, sehnt man sich nach ihm. Aber so ist eben die Liebe: instinktiv, unerklärbar, bedingungslos. …
Einmal verliebt, ist man keiner Vernunft mehr zugänglich; vor nichts hat man Angst, ist zu allem bereit. Man ist berauscht von einem Gefühl der Freiheit, könnte die ganze Welt umarmen und glaubt sich umarmt von der ganzen Welt. Und Indien, es sei denn, man hasst es auf den ersten Blick, löst bald schon solch einen Gefühlsüberschwang aus: Hier empfindet man sich deutlicher als irgendwo sonst als Teil der Schöpfung. In Indien fühlt man sich nie allein, nie ganz von allem anderen getrennt. Und das macht die Faszination des Landes aus.
Schon vor einigen Jahrtausenden haben die Weisen des Landes, die Rishis, »die Sehenden«, jene große Eingebung formuliert: Das Leben ist eins. Und diese Erfahrung, in der Religion von Generation zu Generation erneuert und weitergegeben, ist der Kern des großen indischen Beitrags zur Zivilisierung des Menschen und zur Entwicklung seines Bewusstseins. Jedes Leben, mein eigenes genauso wie das eines Baumes, ist Teil eines Ganzen, das uns in Tausenden von Formen begegnet: Es ist das Leben.
In Indien braucht dieser Gedanke nicht mehr gedacht zu werden. Jeder Inder hat ihn verinnerlicht. Er liegt in der Luft, die man in diesem Land atmet. Es reicht, dort zu sein, und schon stellt sich ein unbewusster Gleichklang mit dieser antiken Lebensanschauung her. Mühelos schwingt man mit in neuen Klängen, tritt ein in neue Dimensionen. In Indien ist man anders als sonst irgendwo auf der Welt.
Man fühlt anders, denkt anders.

Pushkar

Man muss mit Widersprüchen leben lernen, das fällt den Europäern in Asien ganz besonders schwer. Ich arbeite daran. Den Blog möchte ich hiermit für eine Weile auf Eis legen. Euer sing-to, singha, sing, simha, sinha und leo

Nun hoffe ich auf einige Kommentare, insbesondere kritische Kommentare. Ich habe Rückmeldungen in dieser Richtung bekommen, jedoch sollen diese angeblich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sein. Vielleicht ändern diese Kommentatoren ihre Meinung. Ich bin gerne bereit, mich dieser Kritik auch öffentlich zu stellen.

5 thoughts on “Incredible !ndia

  1. Reply ______s Jan 29,2011 15:55

    leo gute heimreise! freu mich wenn du gesund zurück bist.
    __________s

  2. Reply daniela Jan 29,2011 16:55

    lieber leo, dein blog ist immer sehr lesenswert! herzlichen dank!
    gute heimkehr und auf bald
    daniela

  3. Reply Krutika Jan 30,2011 00:18

    wünsche dir eine gute Reise Leo…

    Und wirklich deinen Blog lese ich immer wieder gerne

    liebe grüsse

    Krutika

  4. Reply Hugo Jan 31,2011 12:22

    Den Blog bitte auf keinen Fall auf Eis legen- gute Reise und Einleben zuhaus! Aber wo ist Dein Zuhause? Ums Hus ume?
    Hugo

  5. Reply Gerald Jan 31,2011 21:12

    Ja, Leo, ist schade, dass man von dir nichts mehr hört.
    Wolltest Du nicht noch zu den „Schlitzies“ fliegen?
    Ich bin mitlerweile in Guatemala City angekommen.
    Gute Heimreise und Gruß von hier Bruno

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