Kongress der Sadhus in Kolkata 2

14. Jan. 2011
In Kolkata findet ein Kongress aller Sadhus von Indien statt. Die GANGA SAGAR. Von überall aus Indien sind tausende ‚Heilige Männer‘ die Sadhus in Kolkata angereist und bereiten das grosse Bad an der Gangamündung vor. Leider kam ich um eine Tag zu spät am Babu Ghat an. Sie sind bereits weitergezogen an eine der Gangamündungen ins Meer. Doch ganz umsonst kam ich nicht ans Babu Ghat.

Bhabu Ghat: Sadhus


Immer noch reinigen sich tausende Inder im Hugli und einige versprengte Sadhus treten vor meine Kameralinse, 150 Rs wollen sie haben, VIEL zu VIEL und handle sie auf 10 Rs herunter. ‚No, not for each one, you must share the 10 Rs‘. Das ist ihnen zu wenig, ich wende mich ab, aber zehn Rs ist auch Geld. Sie rufen mir hinterher. Per Handzeichen wird der Vertrag geschlossen, 10 Rs für alle. Also zurück zu den Jungs.
Inzwischen haben die vielen Bettler vor dem Bad gemerkt, dass bald Geld fliesst und belagern mich in Scharen mit ihren leeren Schalen. Ich habe jedoch nicht vor alle 50 Schalen mit zehn Rupies zu füllen und reiche den Sadhus die 10 Rupies hin. Tausend Hände verhindern die Übergabe und ein kleiner Junge hat bereits die zehn Rupies ergriffen, die ich jedoch noch fest in der Hand halte. Das Gedränge wird immer grösser, bevor der Schein zerreisst lasse ich los, der Schlingel entschwindet unter wildem Geschrei der Bettler.
Mein Vertrag muss natürlich erfüllt werden. Ich bedeute den Sadhus, dass sie mir auf die Strasse folgen sollen. Sie kommen, jedoch die ganze Bettlerschar im Gefolge, es werden immer mehr. Ich zwänge mich zwischen den fahrenden Autos und Bussen durch, die Meute folgt, der Verkehr kommt zum Erliegen. Meine einzige Rettung ist der naheliegende Strassenfoodshop, den ich glücklich erreiche, ich war erst mal gerettet. Hier kommt kein Bettler rein. Drohend steht der Shopinhaber an der Bettlerfront, sogar zwei Polizisten sitzen hier.
Ich überreiche den Sadhus die 10 Rpies, diesmal in grosser Höhe, schliesslich bin ich viel grösser als alle Bettler und die Sadhus haben auch lange Hände. Vertrag erfüllt. Die Shopbesucher halten dies für einen grossen Fehler Geld zu geben, ’no charity no money‘ bedeuten sie mir. Jetzt muss ich nur irgendwie zu meinem wartenden Taxi kommen, das 50 Meter weiter weg auf mich wartet. Fünf Foodesser begleiten mich und schirmen mich von der Meute ab, ich erreiche mein Taxi, der Fahrer erfasst sofort die Situation und verriegelt die Türen, ich bin gerettet, die Meute zieht ab, wir fahren weiter zum New Market. Whow, dies ist ein Anblick, der Schlachthofteil dieses Marktes, alles wie vor 25 Jahren! (siehe Foto).

New Market Kolkata: Das Schlachthaus

Über Kopfhöhe warten die Krähen darauf ihren Anteil zu ergattern. Naja das Bild zeigt mehr als jedes Wort (bitte Foto stark vergrössern! In Stufen aufs Bild klicken).
Ich laufe durch die Sudderstreet, wo mein Paragon Hotel angesiedelt ist. Die Sudderstreet ist DIE Touristenherberge von Kolkate. Sie verändert sich rapide, überall entstehen neue Gebäude, jedes mit Widerhakenzäunen bewehrt, ein neues 3000 Rs- Hotel hat gerade eröffnet, ich wurde zur Besichtigung eingeladen und sollte als erster Gast nur 2000 Rs bezahlen, der Manager wundert sich, dass ich das einfache Paragon vorziehe, wo Touristen aus aller Welt nur 150 bis 400 Rs bezahlen. Dort ist es interessant, die Touristen aerzählen sich die Erlebnisse des Tages und hier kann ich auch lautstark meine Matthäuspassion von Bach einüben, währenddessen eine junge Japanerin ihre neu erstandene Sitar ausprobiert. Spanische Gitarren erschallen und vom Nachbarhotel Maria tobt indische Popmusik herüber. Dies kann so ein Resorthopperhotel nicht bieten, dort herrscht Ruhe und Langeweile.
Das Personal vom Paragon hat Probleme. Der Hotelmanager bezahlt ihnen die Jahresprämien nicht aus. Plakate hängen überall herum, die kommunistische Partei von Kolkata hat sich dem Problem zu eigen gemacht. Die Antwort an die vielen Fragen der Plakate sitzt der Eigentümer aus. Die Gäste ziehen weiter und (vielleicht) kehrt Ruhe wieder ein.

Hotel Paragon, C.I.T.U.

Hotel Paragon, Eingang

Hotel Paragon, Innenansicht

Hotel Paragon, Übersetzung für die Touristen

Ich lege mich um 21 Uhr ins ins Bett und übe die Horrorpassion von Bach im Bett ein. Ich muss die ‚Matthäuspassion üben, weil mein Chor (www.chor-ipsach.ch) schon längst die Einstudierung begonnen hat, während ich durch Indien nomadisiere. Nach einer einer Stunde schlafe ich ein. Um 24 Uhr wache ich auf. Hat mir jemand im Restaurant ins Lassi unbemerkt Bang (Haschisch) zuzefügt. Ich hatte einen wilden Traum: Ich bin mit meinem Klassikchor auf dem Lande zum einstudieren der Matthäuspassion. Ich stehe auf einem wackligen Stuhl, der zusammenbricht als ein weiterer Sänger darauf stehen will um den Dirigenten zu sehen. Der Chor zieht weiter ich bin allein auf dem Bauernhof, ich gehe auf die Suche nach meine Kollegen vom Chor. Plötzlich stehen überall Ungeheuer auf der Weide, Löwen, Saurier ja Saurier und sonstige Ungetüme.
Mit dem wedeln meiner Partitur konnte ich sie mir vom Leibe halten. Ich ging zurück zum Bauernhof, da sah ich wie eine wilde Horde fremder Krieger, fast ausserirdische auf das Haus zustürmten. Ich versteckte mich in einer dunklen Ecke, wurde jedoch sofort aufgespürt. Die Wilden diskutierten, wie sie mich am Besten umbringen könnten. Wenn ich endlich zu Wort kommen könnte, war ich mir sicher, sie von ihrem Vorhaben abbringen zu können. Ich wachte auf, es war 0:30 Uhr, ich stand auf und war ganz klar im Kof, anscheinend habe ich nur den erlebten Tag verarbeitet. Im gleichen Moment kamen die Spanier, meine Nachbarn, laut lachend an meinem Zimmer vorbei und ich war sicher, die waren mit Bang aufgeputscht.
Ich ging hinaus, aber sie waren ganz klar im Kopf und erzählten mir ihre Tageserlebnisse. Sie wollten zu den Sadhus am Meer und fuhren mit dem ‚local train‘ in diese Richtung, kamen jedoch nicht weit, der Zug hielt an. Sie strandeten in einem Slumvorort. Sie wurden sofort von hundert neugierigen Slumbewohnern umringt, die sie staunend ununterbrochen anstarrten. Sie wollten zurückfahren, aber alle Züge waren total überfüllt und viele der Züge fuhren einfach durch die Haltestelle. Sechs Stunden mussten sie warten bis sich endlich eine Rückfahrtmöglichkeit bot.
Nachtrag: http://timesofindia.indiatimes.com/india/Seven-killed-in-stampede-at-Gangasagar-mela-/articleshow/5442897.cms
Thats -!ncredible India-

2 thoughts on “Kongress der Sadhus in Kolkata

  1. Reply ______s Jan 28,2011 19:06

    leo deine drogentrips sind great!
    und ich bin wieder in meinem preles-wald angekommen.
    berlin liess ich weit unter mir zurück im schneegestöber. schau die nachtzeichnug vom atelierfenster aus: attach
    herzlichst
    _____s

  2. Reply Brigitte Schoebi Jan 28,2011 20:41

    So farbig und lautstark, so aufwühlend, so lebendig, viel besser als der beste Film, Indien das man total liebt, wenn man es mal gerade nicht hasst…

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